Ich wünsche mir eine Therapeutin…

…die uns sieht mit unseren Wunden, die Partei für alles Verletzliche ergreift, wenn wir es nicht
spüren können.
Die unsere Kompetenz sieht; bei der sowohl das Kranke als auch das Kompetente gesehen und anerkannt wird.

…die ehrliche Fragen stellt, verstehen will, kennenlernen will – eher als uns zu interpretieren und zu analysieren. Die ihr Bild von uns immer wieder prüft.

…die nicht perfekt sein möchte, sondern zu menschlichen Fehlern stehen kann. Die dann nicht lügt, verdreht, oder ihre Macht gegen mich ausspielt. Bei der „Augenhöhe“ nicht nur ein Begriff, sondern eine Haltung ist.

…die weiß, wie furchtbar Folter von Kindern ist, und die dieses Leid nicht bagatellisieren muss, um es zu ertragen. Die ihre Empörung mit uns teilt, damit wir lernen, dass emotionale Reaktionen okay sind. Die nicht auf eine spirituell-esoterische Ebene wechselt, um unser menschliches Leid kleinzureden.

…die spirituelle von emotional-menschlichen Ebenen trennen kann und nicht behauptet, wir wären selber schuld (da wir uns ja jede Erfahrung ausgesucht haben), es sei nicht so schlimm (denn die Seele bleibt ja unverletzt), es gäbe keine Täter und Opfer oder wir müssten nur positiv denken, dann ginge es uns gut…

…die uns als (Innen-)Personen sieht und anerkennt, die versteht, wie gravierend die Folgen des Erlebten waren. Dass es nicht rückgängig gemacht werden kann.

…die nicht glaubt, dass das jemals wieder gut zu machen wäre. Die ihre Ohnmacht oder Hilflosigkeit benennt statt sie an uns auszuagieren.

…die parteiisch auf unserer Seite steht, und die unsere Wut, ja auch unseren Hass angemessen findet. Die erkennt, wie verdreht ein Konzept von Vergebung an dieser Stelle wäre.

…die auf die menschliche Ebene wechselt, wo es angebracht ist, statt ihre Rolle als Therapeutin als Machtdemonstration zu missbrauchen

…die sich auch traut, sich als Mensch zu zeigen und zu öffnen – weil es mir dann leichter fällt, zu vertrauen.

…die uns alle willkommenheißen und kennenlernen möchte.
Die „Kleinen“ und die „Dunklen“.

…die sich mit mind control und Kinderfolter auskennt und/ oder sich fortbilden möchte.

…die die Therapie an uns anpasst, nicht umgekehrt.

…die mitfühlend und berührbar ist…

…das wäre ein großes Glück.

Diesen Text haben wir für unsere Therapiesuche geschrieben. Um zu spüren, was wir eigentlich brauchen, was wir uns wünschen und wonach wir suchen. Seitdem nehmen wir ihn immer zu Erstgesprächen mit. Vielleicht ist er für noch jemanden hilfreich, dann könnt ihr ihn gerne verwenden und/oder abwandeln smile

2 Kommentare

  1. Fallobst

    Wow, danke für diesen Text.
    Denn genau so einen Therapeuten suche ich auch. Suchen wir auch. Seit so vielen Jahren schon.
    Konnte es nur nie wirklich benennen, formulieren.

    Nur suchen wir einen männlichen Therapeuten, auch wenn der Körper (und sogar die meisten Personen) weiblich ist.
    Das macht es gefühlt noch schwieriger. Es gibt leider sehr wenige männliche Traumatherapeuten in Deutschland die sich mit DIS auskennen. Und kaum einer traut sich auf einen weiblichen Patienten einzulassen.
    Das macht uns traurig. Und wütend.
    Denn weibliche Therapeuten sind schwierig für uns. Sehr schwierig.

    Danke und ganz viele liebe Grüße von Yina

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    • un|zerbrochen

      Hallo Yina,
      vielen Dank für Deinen/ Euren Kommentar!
      Es freut mich grade so sehr, dass es tatsächlich gut war, diesen Text zu teilen.
      Das kann ich mir gut vorstellen, dass die Auswahl an männlichen Therapeuten noch geringer ist!
      Oh man ist das schwierig.
      Wir haben es bisher nicht geschafft, eine Therapeutin mit Kassenzulassung zu finden, deshalb ist es finanziell immer schwierig. Aber ein gewisses Wissen über DIS ist für uns notwendig, sonst bringt uns die Therapie weniger, als sie nutzt. Und dazu dann noch das Menschliche – gefühlt wie Lotto spielen…

      Dass wir an bestimmten Punkten im Leben wirklich tolle Begleiter hatten und die Erfahrung, wie sehr das das Leben (positiv) beeinflussen kann, gibt uns den Willen, hartnäckig zu bleiben.
      Jetzt haben wir eine Therapeutin (fahren aber pro Strecke über zwei Stunden in eine andere Stadt dafür), und in ein paar Jahren werden wir wieder suchen müssen. Da haben wir jetzt schon Horror vor.

      Eigentlich sollte man das Viele-sein an Ausbildungsinstituten für Psychotherapeuten vorstellen und jungen Therapeut_innen erzählen, dass es die DIS gibt und dass es eine schöne und wichtige Spezialisierung sein kann. Wir sind nächstes Jahr ein bisschen an Unis unterwegs, um Studenten einen Einblick zu geben.
      Aber so Öffentlichkeitsarbeit ist auch immer schwierig.

      So wie es grade ist, wünschen wir Euch ganz viel Glück, denn das braucht man wohl vor allem… und immer wieder Mut und ein bisschen Kraft, doch noch weiter zu suchen…?

      Ganz liebe Grüße und Danke für Eure Worte!!
      Yara Mirija

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