Da war Gewalt, Zersplitterung – wir wollen das nicht mehr leugnen.
Anerkennen, wie groß der Schmerz war und ist – und dennoch – sich annähern,
kennenlernen, begreifen… Hoffnung? Trotz allem.

Ich schreibe hier über mein / unser Leben als Überlebende extremer Gewalt. Wir sind Viele, als Reaktion auf die Traumatisierungen, aber auch, weil TäterInnen wollten, dass wir viele werden. Viele oder multipel zu sein beziehungsweise als mehrere Individuen in einem Körper zu leben, bringt ganz bestimmte Thematiken mit sich, mit denen wir uns hier auseinandersetzen wollen.
Wir freuen uns, wenn andere Viele und Unterstützer_innen, aber vor allem auch ehrlich interessierte Freund_innen oder Begleiter_innen uns lesen.

Wir vergleichen das Viele sein gerne mit einem Baum:
Bei einem Gewitter schlug ein Blitz in ein junges Bäumchen ein und spaltete seinen Stamm.
Der Baum überlebte zwar, aber hatte jetzt zwei Stämme, die getrennt weiter wuchsen und jeweils ganz einzelne Äste und Zweige ausbildeten.
Der Blitz, das ist die Gewalt. Wir wurden wieder und wieder aufgespalten, doch heute leben wir so, mit all den Ästen und Zweigen, den „Innenpersonen“. Man kann die Stämme auch nicht mehr einfach zusammenbinden, weil sie ihre Äste haben und sich so entwickelt haben, dass sie völlig unterschiedlich sind. Es sind also eigentlich mehrere Bäume, auch wenn es dieselben Wurzeln sind.
So ist es auch mit Menschen, die viele sind. Jede Innenperson ist ein Individuum, das auch als solches behandelt werden sollte.

Dank modernen bildgebenden Verfahren kann nachgewiesen werden, wie sehr sich das Gehirn bei multiplen Menschen und Menschen ohne DIS unterscheidet. Jede Innenperson hat ein eigenes neuronales Netzwerk, das sie von den anderen unterscheidet. Da es letztlich aber doch nur ein Körper und ein Gehirn ist, bekommt man von einander immer wieder etwas mit.

Von Rücken- und Gegenwind

Heute sind wir sehr lange am Strand spazieren gegangen, angetrieben vom Wind. Plötzlich waren wir einige Kilometer weit gelaufen, ohne es als anstrengend empfunden zu haben. Denn der Rückenwind unterstütze jeden Schritt. Der Rückweg hingegen war dann ziemlich mühsam...

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Am Meer

Als wir endlich angekommen sind, ist es schon fast ganz dunkel. Wir laufen einen Feldweg entlang, der direkt hinter dem Ferienhäuschen beginnt. Man kann das Rauschen bis hierhin hören… Jemand möchte rennen, also rennen wir – hier, jetzt, darf jeder da sein…  Die Düne...

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kompetent krank

Während man sich wünscht, man könnte ein "normales" Leben führen, ohne daran be_ge_hindert zu werden, ist man abwechselnd zu viel und zu wenig krank. Selten passend. Im Beruf kann man nicht kompetent genug sein. Fehlzeiten? Fehlanzeige. Oder – Scham. Auf keinen Fall...

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