Unsere Mauern sind unsichtbar. Erst langsam begreife ich, wie hoch sie sind.

Durch die Beschäftigung mit Mind Control fange ich an, meine Wahrnehmungen einordnen zu können. Es ist schwierig, Begrenzungen wahrzunehmen, wenn man gefangen ist, aber sich frei fühlen soll, frei wirken soll, alle um einen einen als besonders freien Menschen erleben.
Weil ich die Mauern nicht sehen kann, dachte ich oft, sie wären gar nicht da. Wenn ich gegen eine der unsichtbaren Mauern laufe oder dagegen stoße, bilde ich mir den Schmerz nur ein. Ich WILL offensichtlich nicht richtig.
In Wahrheit führen mich die unsichtbaren Mauern auf einem schmalen Weg, wie durch ein Labyrinth. Sie sind sehr real. Gegen manche bin ich mittlerweile so oft gelaufen, dass ich sie schon recht gut kenne. Ungefähr weiß, wo sie sind. Andere verstehe ich nicht. Weiß noch immer nicht, gehe ich diesen Weg, weil ich das will, oder weil links und rechts unsichtbare Wände sind, und mir keine andere Wahl bleibt?

Eine gute Freundin sagt, dass sie das sehr enge Gerüst sieht. Es schon immer wahrgenommen hat. Es stimmt nicht, dass man es nicht mitbekommt. Wenn man uns sehr gut kennt, stößt man sich manchmal selbst an den Mauern…

Und dann gibt es da noch einige Personen in uns, die viel dafür getan haben, dass manche Mauern nicht mehr so stark wirken. Dass es Löcher gibt. Die seit Jahren hart dafür arbeiten, dass wir in Therapie gehen können. Dass wir uns von TäterInnen distanziert haben. Dass wir als Jugendliche schon versucht haben, manches anders zu machen, nicht den festgelegten Gängen zu folgen.

Langsam sehe ich Zusammenhänge zwischen abweichendem Verhalten und schweren Zeiten meiner Biografie. Aber das meiste ist nach wie vor unsichtbar. Jeden Tag gibt es das, gegen Mauern zu laufen. Schon beim Schlaf-Wach-Rhythmus. Wir müssen uns immer bewusster werden, dass da Mauern sind, damit wir uns nicht selbst dafür abwerten. Und die Mauern kennenlernen und hoffentlich verändern können.

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