Als wir endlich angekommen sind, ist es schon fast ganz dunkel. Wir laufen einen Feldweg entlang, der direkt hinter dem Ferienhäuschen beginnt. Man kann das Rauschen bis hierhin hören… Jemand möchte rennen, also rennen wir – hier, jetzt, darf jeder da sein… 

Die Düne hinauf. Da ist es: eine große, blau-schwarz rauschende Wassermasse, gerade so noch vom dunkelblauen Horizont zu unterscheiden. Jemand, und mit ihr oder ihm oder ihnen der Körper, beginnt stark zu weinen. Der Wind ist kalt, es schmerzt in den Ohren. Wir setzen uns an den Rand des Dünenübergangs. 

„Jeder, der das Meer sehen möchte, kann jetzt kommen.“, sage ich in das innere Dunkel hinein. Doch nichts geschieht. Also sitze ich einfach da, und lasse den Atem ruhiger werden. Das wohltuende Bewusstsein der eigenen Nichtigkeit, das ich immer am Meer spüre, ist wieder da. Es ist eine schützende, beruhigend friedliche Gewissheit von eigener Bedeutungslosigkeit. Nicht die Art, die weh tut, sondern die, die einem bewusst macht, dass man nur ein kleiner Tropfen ist, also auch nicht so tun muss, als sei man ein Meer.

„Darf ich näher ran gehen?“, fragt es aus dem Innen. Natürlich! Wieder rennt jemand, dieses Mal die Düne hinunter, über den Strand, bis zum Wasser… Es ist eisig kalt und wir sind ganz alleine am Strand… es ist eine klare Nacht. Über uns sind so viele Sterne zu sehen…

Lange stehen wir einfach nur da, sehen uns ins dunkle Nachtsternenmeer hinein…

Dann drehe ich um, laufe die Düne hoch, fast wieder runter, als jemand mit der Stimme des Körpers, aber sehr heiser, ja, tonlos irgendwie, sagt: „Ich möchte auch noch das Meer sehen, bitte“ – ich drehe um. Sie kommt in den Körper und sieht das Meer… der Körper verkrampft, aber ich spüre ihre Rührung… sie weint.

Plötzlich fängt der Körper heftig an zu zittern, wie bei einem Krampfanfall, da ist wohl noch jemand.

Dann ist der Körper steif, wie gelähmt. Jemand kann nur die Augen bewegen. „Dafür hat sich alles gelohnt“, höre ich jemanden sagen, aber nicht zu mir.

Als ich irgendwann wieder in den Körper trete, merke ich, wie kalt er ist.

„Wir können morgen wieder her kommen. Wir haben viele große Tage nur für uns.“, sage ich zu vielen noch Unbekannten, als ich zurück zur Wohnung gehe.

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