Kreativ Überlebt?

8. Jan, 2019 | Innenwelten und das Leben drumrum | 2 Kommentare

Es macht mich wütend, wenn Dissoziation im Kontext ritueller Gewalt als „Überlebensstrategie“ bezeichnet wird. Oftmals verbunden damit, dass uns eine besondere Stärke zugeschrieben wird oder „die Fähigkeit zu überleben“.

So als hätte es eine Wahl gegeben, ob man sterben oder leben möchte, aber zum Glück war man kurz vor knapp noch „kreativ“ genug, um sich zu denken: och, werd ich doch Viele!

So läuft das aber nicht!

Menschen, die professionell Kinder spalten, zerbrechen, ihnen diese grausame Gewalt antun… die wissen genau, was sie tun müssen, um eine Psyche dazu zu bringen, sich aufzuspalten. Sie wissen, wie man tötet, und wie man am Leben hält. Es ist nicht unserer besonderen Stärke oder Kreativität zu verdanken, dass wir heute noch am Leben sind.

Sondern der schlichten Tatsache, dass die Täter uns niemals umbringen wollten (wofür auch?).

Ebensowenig wie es hilft, die Macht der Täter im Heute zu überschätzen, hilft es auch nicht, so zu tun, als hätten sie damals nicht die Entscheidung getroffen. Wenn Kinder in diesem Kontext sterben, liegt das nicht daran, dass sie nicht stark oder kreativ genug waren, sondern daran, dass ihnen tödliche Gewalt angetan wurde.

Wir haben überlebt, ob wir das wollten oder nicht. Manche von uns wären gerne gestorben. Sie wurden ebenso mit Gewalt am Leben gehalten wie an den Tod heran geführt.

 

Die Haltung, einen Menschen als sich selbst organisierendes Wesen im Sinne einer humanistischen Sichtweise zu betrachten, finden wir in jedem Kontext, der uns einfällt, hilfreich – mit Ausnahme von Mind Control und extremer Gewalt.

Denn hier nutzen Menschen bewusst die natürlichen Reaktionen der Kinder aus, sie verdrehen sie, unterdrücken sie, leiten sie um. Aus Wut gegen Täter machen sie Selbsthass, aus sich-wehren-wollen destruktive Zerstörung, aus Entsetzen Scham und Schuldgefühl…

Und diese Stellen brauchen unfassbar viel Zeit, um sie zu entwirren, Verdrehungen aufzudröseln, die eigentlichen Gefühle zu finden und der eigenen Wahrheit näher zu kommen…

 

Der Überlebenswille wurde genutzt, um uns ausnutzen zu können. Wir sind also weniger kreativ Überlebende als viel mehr Lebend-Gelassene. Das, was den Mut ausmacht, ist, weiterzuleben, nachdem man sich dieser grauenvollen Vergangenheit bewusst wurde und der Tatsache, dass man diese Gewalt nicht SOFORT stoppen kann.

Wir brauchen Mut, um in dieser Welt weiterzuleben. Um uns unserer Geschichte und den Erinnerungen zu stellen, aufzuarbeiten. 

Dafür braucht es Mut und Kreativität. Um mit dem Viele geworden sein umzugehen.

Aber damals hatte das mit einer „kreativen Übelerbens-Strategie“ absolut nichts zu tun.

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