Empfindlichkeiten

2. Sep, 2018 | Innenwelten und das Leben drumrum | 0 Kommentare

Das warme Wasser kommt bei uns vom Durchlauferhitzer. Um genau zu sein, gibt es kein warmes Wasser. Nur kochend heißes oder kaltes. Warm ist nur der kurze Wechsel dazwischen.
Duschen ist damit anstrengend. Als ich vor ein paar Tagen anfing zu weinen, weil das Wasser wieder zu kalt gewechselt war und ich fror, hab ich mich zum ersten Mal nicht als empfindlich erlebt.

„Empfindlich“ – ich höre meine Oma das sagen. Wenn ich im Campingurlaub als ganz kleines Kind mal wieder „gejammert“ habe, weil ich Angst vor Wasser von oben hatte. 

Angst vor Wasser „von oben“… das stand auf irgendeiner Anzeichen-Liste für extreme Gewalt… einer von hundert Punkten, aber eben auch dabei. Urlaube, geneckt werden… ich bin eine „Mimose“, so zieht man mich damit auf… ich habe Angst vor kaltem Wasser. Und vor Hitze. Und vor Staub.

Ich stand in der Dusche und heulte, weil sie nicht so funktionierte, wie ich das will – wie ein Kleinkind – aber, ich konnte mich nicht lächerlich finden… ich bekam es mit, wie die Kälte welchen Innen Angst machte… ich wusste von den Nächten ohne Kleidung, ich wusste von den Eisbädern, ich wusste von Verbrennungen… ich wusste so sehr davon, dass ich es nichtmal anzweifeln konnte… der Körper fühlt die Panik… irgendwer weint… und ich weiß darum… ein Moment, in dem etwas durch die dissoziativen Mauern gelangt und etwas für mich be-greifbar wird.

Alles ist so nah, viel zu nah… heute haben wir die Wohnung aufgeräumt…

Ich spüre, wie ich untergetaucht werde, wie da keine Luft mehr ist… nur noch Schmerz… Lungenplatzen… ich weiß, ich sterbe. Ich weiß, ich werde nicht sterben. Ich sterbe. Aber in Wirklichkeit hört nur die Erinnerung(?) auf. Ich weiß, es ging weiter.

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