Borderline-Tage

10. Jul, 2018 | Innenwelten und das Leben drumrum | 0 Kommentare

Ich nenne solche Tage Borderline-Tage, weil ich ein bestimmtes Gefühl damit verbinde. Ein Gefühl, das sehr oft da war, als die Diagnose „Borderline“ das einzige war, an das ich mich klammern konnte, das einzige, was greifbar war, was eine Erklärung versprach…

Solche Tage wie heute. Damals, vor gut sieben Jahren, wusste ich nicht, warum ich mich so fühle. Heute weiß ich es immernoch nicht. Ich weiß nur, dass es „wohl irgendwas mit meinem Trauma“ zu tun hat. So wie ich damals wusste, dass es wohl damit zu tun hat, dass ich persönlichkeitsgestört vom Typ Borderline bin.
Dieser Schmerz, der sehr physisch wehtut, obwohl er eigentlich psychisch ist, dieses zerrissen werden, während man von außen erdrückt und von innen zerplatzt wird… eine Implosion. So voll, so leer, am Abgrund – ja, ich fand und finde mich in Texten zur Borderline-Störung wieder, wenn ich in so einem Zustand bin. Auch wenn ich jetzt weiß, dass es vermutlich eher Prozesse von anderen sind, die ich dank der Dissoziation nicht so ganz mitbekomme, eben nur so halb.
Vermutlich ist gerade jemand massiv getriggert, der auch in diesem Körper wohnt, und ich spüre das. Natürlich weiß ich nicht, woher dieser Zustand kommt, weil es ja gar nicht wirklich „mein“ Zustand ist.
Und doch bin grade auch ich die, die darunter leidet, auch wenn ich keine Bilder oder Gründe für dieses Leid habe.

So oder so kann ich nur daran denken, dass ES aufhören soll. JETZT. Auf der Stelle. Weil ich das nicht eine Sekunde länger ertrage.
Aus der Vergangenheit weiß ich: doch.
Ich ertrage diesen Zustand regelmäßig viele Stunden, und danach hört er wieder auf, bevor er wieder anfängt.
Und das ist für mich kein bisschen tröstlich, sondern eher zum an-die-Decke-gehn-Haare-raufen… In so einem Moment kommt so eine immense Wut auf meinen Lebenswillen, auf die Hoffnung, auf überhaupt alles, was mich davon abhält, diesen unerträglichen Zustand auf der Stelle zu beenden.

An solchen Tagen hilft die Selbstverletzung. Leider hilft sie wirklich. Und verglichen zu den anderen Gedanken in meinem Kopf scheint sie das kleinste Übel zu sein.
Was sich verbessert hat: ich laufe nicht mehr wie ein gefangenes Raubtier auf und ab, weine nicht, weil ich nicht verzweifelt bin… früher haben mich die Fragen nach dem WARUM? zermartert und verrückt gemacht. Heute weiß ich, dass ich mir die Frage nicht stellen muss, weil es keine Antwort darauf geben wird. Auch wenn es im Großen natürlich die Antwort „Traumafolgen“ gibt… was für mich gerade so neblig weit weg ist, dass ich nicht verstehen kann, wie das etwas mit diesem JETZT zu tun haben soll.

Es gibt so einen Spruch: „Borderline bedeutet, 1000 Kilometer zu gehen und doch immer wieder am selben Abgrund anzukommen.“
Genau so fühlt es sich an. Solche Tage wie heute sind der Abgrund.

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